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Stefan Scheurer
Stefan Scheurer (Foto: SWR3)

Viele Menschen haben sich gegen Corona impfen lassen, sie waren keine Impfgegner. Aber heute würden manche es nicht noch einmal tun. Wie geht es ihnen? Und was hat ihre Meinung geändert?

Nein, hier geht es nicht um Pro oder Contra Corona-Impfung. Zu diesem Thema ist am Ende jede erdenkliche Meinung ausgetauscht. Erstaunlich und traurig bleibt aber, warum es Menschen zwischen diesen beiden Meinungswelten gibt. Oder jene, die ihre Meinung zur kritischen hin geändert haben.

Auf Twitter trendet Anfang August der Hashtag #IchbereuedieImpfung. Bots und Trolle nutzen den Hashtag für fragwürdige Inhalte – aber dahinter verbergen sich auch ganz individuelle Schicksale und Konsequenzen, die in der normalen Pro- und Contra-Impfung-Diskussion überhaupt nicht mehr vorkommen.

Die Impfung gegen das Corona-Virus ist von Beginn an heiß diskutiert und wurde für viele zur Glaubensfrage. Bei Twitter...Posted by SWR3 on Tuesday, August 2, 2022

Unter unserer Frage an euch haben die meisten gar nichts bereut, manche aber eben doch. Und sie schreiben, was aus ihrer Sicht vor und nach der Impfung schief lief. Die persönlichen Erfahrungen sind dabei ganz unterschiedlich. Hier stellen wir drei Fälle vor, die zeigen: Pro oder Contra, darum geht es gar nicht. Manchmal geht einfach etwas granatenmäßig schief, medizinisch oder sozial, und die Betroffenen finden kein Gehör. Heute hören wir einmal zu:

Stefan Wayand steht in den Alpen. (Foto: privat, Stefan Wayand)
Stefan Wayand: „Selbst jetzt wird über Komplikationen zu wenig geredet.“ privat, Stefan Wayand

Stefan Weyand aus Wincheringen (Rheinland-Pfalz) hatte nach der Corona-Impfung eine komplizierte Thrombose bekommen, dabei verstopfen die Blutbahnen. Sieben Monate hat die Genesung gedauert, und Thrombosen können sehr gefährlich werden. Stefan ist bis heute kein Impfgegner, aber den nächsten Pieks möchte er nur bekommen, wenn zusätzliche Medikamente die Thrombosegefahr für ihn besser ausschließen können. Auch wenn er auf niemanden sauer ist, ärgert ihn doch, dass über mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen selbst jetzt immer noch zu wenig gesprochen wird.

Michael Schroh in seinem LKW (Foto: privat, Michael Schroh)
Michael Schroh: „Die Politik hat quasi ein Berufsverbot gemacht, das war nicht ok.“ privat, Michael Schroh

Michael Schroh aus Kehl ist Kraftfahrer. Uns sagt er im Gespräch, dass er bis heute kein Impfgegner ist, sich immer gegen alles hat impfen lassen. Corona hatte er sehr früh in der Pandemie gut überstanden. Trotzdem musste er sich noch einmal impfen lassen, weil er sonst als LKW-Fahrer in seiner Firma nicht hätte weiterfahren können:

Meine Schicht geht mitten in der Nacht los, wie soll ich mich da regelmäßig testen lassen, und das war ja lange Zeit Pflicht! Sowas hat die Politik einfach nicht bedacht.“ Dann blieb nur noch, sich impfen zu lassen. Das ging gut, aber seit dem Booster mangelt es dem ehemals sehr sportlichen Kehler an Kondition: „Nicht einmal mit meiner Fussball-Jugendmannschaft kann ich mithalten.“ 

Portrait von Theresa Berndl aus Gutmadingen (Foto: privat, Theresa Berndl)
Theresa Berndl: „Wünsche mir, dass die Menschlichkeit wieder zurückkommt.“ privat, Theresa Berndl

„Ich bin Theresa aus Gutmadingen (LK Tuttlingen): Ich habe mich lange geweigert, zu impfen. Ich arbeite in der Pflege, bin 3-fache Mama. Irgendwann war der Druck von allen Seiten nicht mehr aushaltbar. Vor allem, als es um die Kinder ging. Ich konnte weder meinem Sohn beim Fußball zuschauen, noch meine Tochter zur Logopädie begleiten. Dann kam die Pflicht und die Entscheidung, Arbeit haben oder arbeitslos werden – mit drei Kindern. Somit hab ich im Januar 2022 meine zwei Impfungen bekommen.

Es hat sich so falsch angefühlt, ich habe nur geweint und keiner hat es verstanden. Diese Spaltung ungeimpft/geimpft war so schrecklich. Ich verdränge es immer noch. Schlimm ist auch, dass viele nicht verstehen, warum man es einfach nicht will. Dadurch kommt es immer wieder zu Streit und Diskussionen. Für mich persönlich kommt keine weitere Impfung mehr in Frage. Und ich wünsche mir einfach, dass jeder wieder für sich selbst entscheiden kann, was das richtige ist und die Menschlichkeit wieder zurückkommt.“

Statistik: Nebenwirkungen der Coronaimpfung

Viele Menschen mit möglichen Impfnebenwirkungen fühlen sich nicht ernst genommen. Natürlich ist nicht jede auftretende Krankheit oder Beeinträchtigung eine Impfnebenwirkung, und trotzdem gibt es sie. Ärzte können Verdachtsfälle in Deutschland an das zuständige Paul-Ehrlich-Institut weiterleiten. Im sogenannten Sicherheitsbericht wird regelmäßig der Stand der Erkenntnisse zusammengetragen.

Die Zahlenmengen sind groß, daher kann man nicht davon ausgehen, dass Meldungen zu Impfnebenwirkungen absichtlich verschwiegen werden (bei ca. 172 Millionen Impfungen in Deutschland wurden etwa 300.000 Verdachtsfälle gemeldet). Der aktuellste Bericht ist vom Mai 2022.

Welche Impfnebenwirkungen gibt es?

  • Bei 10.000 Impfungen werden 17 Auffälligkeiten von Ärzten an das Institut zurückgemeldet.
  • Unter diesen 10.000 Impfungen sind statistisch zwei schwere Verdachtsfälle.
  • Es gibt Krankheiten, die das Paul-Ehrlich-Institut intensiver beobachten wird, weil es eine auffällige Häufung gab. Dazu gehören u. a. Thrombosen (Blutgerinsel), Myo-/Perikarditis (Entzündungen am Herzen) sowie Auffälligkeiten in Zusammenhang mit dem Immunsystem.
  • Diese Krankheiten treten allerdings auch bei allen anderen bekannten Impfungen auf.

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