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Patrick Schütz (Foto: SWR3)

Seit einigen Tagen ist die App Clubhouse ganz oben in den Downloadcharts des iOS AppStore. Warum ist die App aktuell so beliebt und warum erntet sie trotzdem heftige Kritik?

Was ist die Clubhouse-App?

Die App ist grob gesagt sowas wie eine Mischung aus Twitter, der Videolivestream-Plattform Twitch und einem Livepodcast. Auf den unterschiedlichsten Kanälen der App – genannt „Rooms“ – sprechen Menschen über bestimmte, vorher festgelegt Themen, halten Vorträge und diskutieren miteinander – ohne sich zu sehen.

Clubhouse ist also eine Audio only App. Die App an sich kostet nichts, ist aktuell aber nur im AppStore von Apple verfügbar. Das schließt natürlich einen Großteil der Bevölkerung aus, da die meisten Menschen (in Deutschland) Smartphones haben, die mit dem Betriebssystem Android funktionieren.

Die Struktur innerhalb von Clubhouse ist ein klassisches Social-Media-Gebilde – allerdings ohne Fotos, Videos oder Likes – alles Inhaltliche passiert auf der Audioebene. Innerhalb von Clubhouse kann man sich mit anderen Menschen verknüpfen, die die gleichen Interessen haben oder die in den gleichen „Rooms“ sind. Darüber hinaus kann man natürlich auch andere Mitglieder über eine Suchfunktion finden, um sich mit ihnen zu verknüpfen bzw. ihnen zu folgen.

Rassismus, Homophobie, Fakenews – heftige Kritik an der App Clubhouse

Neben vielen Fans der neuen Social-Media-App hagelt es auch an einigen Stellen heftige Kritik. Ähnlich wie bei dem Messenger Dienst Telegram sollen sich angeblich auch bei Clubhouse viele Verschwörungstheoretiker, Rechtsextreme etc. zusammenfinden, die in den unterschiedlichen Räumen zusammenkommen und sich weitestgehend ungestört austauschen können. Das kritisierte zum Beispiel auch Autorin Maggie Tyson:

Die einzelnen Kanäle oder „Rooms“ innerhalb der App unterliegen auch kaum Regularien oder Kontrollmechanismen von Seiten der App-Entwickler. Ein Versuch um einen gepflegten Umgang in den „Rooms“ zu gewährleisten, ist eine Art Bürgschaft. Wenn sich jemand daneben benimmt und es eine Beschwerde über einen bestimmten User gibt, kann nicht nur dieser entfernt werden, sondern es wird auch die Person entfernt, die den betreffenden User eingeladen hat.

Die Community soll sich also selbst regulieren. Offenbar ein Versuch der App-Entwickler, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Ob jedoch innerhalb einer Gruppe von Gleichgesinnten Rassismus oder Hassnachrichten gemeldet werden, bleibt fraglich. Spätestens bei der bewussten Verbreitung von Falschmeldungen dürfte dieser Mechanismus an seine Grenzen stoßen.

Darüber hinaus wurde auch an mehreren Stellen kritisiert, dass die App nicht barrierefrei ist. Menschen die schwerhörig oder sogar taub sind, können die App nicht nutzen, da der Content ausschließlich über das Hören genutzt werden kann.

Telefonnummern, Namen und Adressen – Der Datenschutz steht in der Kritik

Wer die App nutzen möchte, wird gebeten, sich mit seinem Klarnamen (Vor- und Nachname) und seiner Telefonnummer zu registrieren. Auch der Zugriff zur eigenen Kontaktliste, mit Namen, Telefonnummern und allen weiteren Informationen die dort hinterlegt sind, wird von der App abgefragt. Wer die Daten nicht freigibt, kann auch keine weiteren Personen einladen. Wer eine Einladung bekommt, weiß im Umkehrschluss auch, dass die App selbst die Daten schon von einem der eigenen Kontakte bekommen hat.

Wir können nicht ausschließen, dass Clubhouse möglicherweise heute schon – oder in Zukunft – diese gesammelten Daten an Datenhändler weiterverkauft.

Markus Beckedahl, Chefredakteur bei netzpolitik.org im SWR-Interview

Darüber hinaus steht in den Nutzungsbedingungen, dass die Gespräche der Räume von den Betreibern zu Kontrollzwecken aufgezeichnet werden, um bei Beschwerden kontrollieren zu können, was in den einzelnen „Rooms“ gesagt worden ist. So können User temporär oder auch dauerhaft gesperrt werden. Die Daten werden (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt) auf Servern außerhalb der EU gespeichert.

Wirft man einen Blick in die Terms of Service bzw. die Privacy Policy, die Datenschutzbestimmungen, von Clubhouse, fällt eines außerdem ganz besonders auf. So kommt das Gründerunternehmen Alpha Exploration Co. seinen Informationspflichten gem. Art. 13 DSGVO vermeintlich nach, indem es in den Datenschutzbestimmungen die Daten nennt, die die App verarbeitet, und auch die Zwecke der Datenverarbeitung angibt. Allerdings wird die DSGVO an sich an keiner Stelle erwähnt. Auch wenn das Unternehmen Alpha Exploration Co. seinen Sitz in den USA hat, muss das Unternehmen sich aber an die Vorschriften der DSGVO halten, weil die personenbezogenen Daten von EU-Bürgern verarbeitet werden

Christian Solmecke, Rechtsanwalt

Warum ist Clubhouse so erfolgreich?

Die neue Social-Media-App Clubhouse spielt mit vielen psychologischen Tricks, um die Leute anzuziehen und auch bei sich zu halten. Es gilt viele Hürden zu überwinden, um schlussendlich die App wirklich für sich nutzen zu können (Download, Registrierung, Einladung etc.).

Darüber hinaus ist der Zeitpunkt für die Verbreitung einer neuen Social-Media-App sehr günstig. Viele Menschen sind aufgrund von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen die meiste Zeit zu Hause und versuchen über alle möglichen Wege Kontakt zu anderen Menschen zu halten und sich auszutauschen.

Clubhouse ist exklusiv – darum wollen wir dazugehören!

Wer die App nutzen will, muss ein Iphone besitzen. Damit schließt die App aktuell noch sehr viele Menschen – auch in Deutschland – komplett von der Nutzung aus. Dass das so bleibt, ist allerdings sehr unwahrscheinlich.

Um Clubhouse nutzen zu können, braucht man einen sogenannten „Invite“. Nur wer eingeladen wird, kann die App und die „Rooms“ nutzen. Jeder der es über diese Hürde geschafft hat, kann über seine Telefonnummer zwei weitere Personen einladen. Hier versteckt sich also ein klassisches Schneeballprinzip. Diese „Invites“ werden inzwischen auf diversen Onlineportalen sogar zum Verkauf angeboten. Preis in Deutschland: um die 20 bis 25 Euro durchschnittlich.

Der Promifaktor bei Clubhouse ist hoch

Angeblich sind auch sehr viele Prominente wie Oprah Winfrey, Drake, Caro Daur, Joko Winterscheidt, sowie viele Influencer und Influencerinnen schon bei Clubhouse registriert. Das erhöht natürlich für alle Promifans den Wunsch, Teil der Community zu werden und versprüht noch etwas mehr Glamour über die App.

FOMO – Die Angst etwas zu verpassen

Da in allen „Rooms“ ausschließlich live gestreamt wird, haben die User – anders als bei Podcasts oder Streamingdiensten – nicht die Möglichkeit etwas zu einem gewünschten Zeitpunkt nachzuhören. Was einmal gesendet wurde, ist weg! Das befeuert die Angst etwas zu verpassen, auch Fear Of Missing Out (FOMO) genannt.

Das ist so dieser Herdentrieb: Man bekommt mit, dass andere Menschen irgendwo sind, vielleicht auch Prominente, die eine gewisse Sogwirkung haben und man möchte auch dabei sein. Das hat man in den letzten Tagen mit Clubhouse erlebt. Das ist etwas, das gibt es bei sehr vielen Apps in einem Hypecycle, so nennt sich das Ganze.

Markus Beckedahl, Chefredakteur bei netzpolitik.org im SWR-Interview

In Kombination mit der Tatsache, dass die App ausschließlich über das Hören funktioniert, ist das anscheinend die perfekte Verbindung, um User dazu zu bringen, lange dabei zu bleiben. Schließlich kann man sie beim Sport, Putzen, Kochen etc. nutzen. Umso größer das eigene Netzwerk wird, umso mehr kann der User verpassen, was ihn immer tiefer in die App reinzieht. Wie lange der Trend um die App Clubhouse anhält, ist noch nicht abzusehen.

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