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Fast jedes zweite Kind sitzt nicht ausreichend gesichert im Kindersitz im Auto, sagt eine Stichprobenuntersuchung der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Das ist gefährlich und kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Wir zeigen, worauf Eltern achten sollten und wie ein Kindersitz bestenfalls montiert wird.

Für die Studie der Unfallforschung wurden über Tausend Personen mit Kind im Auto überprüft und gecheckt, wie gut die Kindersitze gesichert sind. Eine Stichprobenuntersuchung, die gravierende Mängel zeigt: Rund die Hälfte der Kinder unter 12 Jahren sind im Auto nicht richtig gesichert.

60 Prozent davon sogar so falsch, dass sie im Falle eines Unfalls schwerste Verletzungen davontragen könnten.

In den Vorgängerstudien waren die Ergebnisse noch schlechter. Der häufigste Fehler bleibt aber bestehen: Der Gurt wird nicht richtig um den Kindersitz geführt.

Er war entweder nicht durch die vorgeschriebenen Öffnungen geführt oder nicht straff genug angezogen. Zu locker waren auch oft die Gurte, die die Kinder in den Sitzen angelegt hatten. Angesprochen auf die Fehler, zeigten rund 50 Prozent der Befragten keine ausreichende Kenntnis über die korrekte Handhabung.

Das kann Folgen haben: Im Jahr 2017 starben laut UDV 14 Kinder (bis einschließlich 11 Jahre) im Auto, über 1.000 wurden verletzt. Wir zeigen euch die größten Fehler beim Montieren, erklären, wie das Kind am sichersten ist – und geben Kauf-Tipps für den richtigen Kindersitz.

Wichtiges Wissen: Das sollten Eltern unbedingt beachten

Den Kindersitz im Auto anbringen – so geht's!Gepostet von SWR3 am Dienstag, 9. Oktober 2018

1. Keine Winterkleidung im Sitz

Dennis Plischke vom ADAC Nordbaden rät im Interview für die SWR3-Morningshow: Das Kind sollte nicht in dicker Winterkleidung im Kindersitz sitzen. Der Gurt sitzt nicht optimal und es ist oft zu viel Luft zwischen Jacke und Gurt – das gilt übrigens für jeden Gurt und auch für Erwachsene.

2. Entgegengesetzt der Fahrtrichtung

Der Sitz von Kindern bis 13 Kilogramm sollte immer entgegengesetzt zur Fahrtrichtung angebracht sein. Das ist in Deutschland sogar verpflichtend. Bei einem Aufprall werden die Kinder so in den Kindersitz gedrückt statt in die Gurte.

3. Mit dem Gurt gut sichern

Der Kindersitz muss immer mit dem Gurt über dem Kind und hinter der Sitzlehne befestigt werden, damit er nicht herumrutscht.

Übrigens: Es gelten dieselben Regeln fürs Montieren auf dem Beifahrersitz wie auch auf dem Rücksitz.

Tipps: Welcher Kindersitz ist der richtige?

Die Stiftung Warentest testet immer wieder Auto-Kindersitze. Nicht alle sind gut, deshalb hier die besten Tipps zum Kauf.

1. Sitz unbedingt ausprobieren

Passt der Sitz zum Fahrzeug, sind die Gurte zu kurz oder ist der Platz zu eng? Sitzt das Kind denn auch sicher und bequem? Beim Fachhändler kann man das testen, den Sitz im Auto montieren und das Kind Probesitzen lassen. Dies ist für Eltern, die nicht ganz sicher sind, unbedingt zu empfehlen.

2. Auf Prüfsiegel achten

Wichtiges Prüfsiegel: ECE R 44 mit der Prüfnummer 03 oder 04. Der orangefarbene Aufkleber garantiert, dass der Sitz nach der neuesten Norm getestet und zugelassen ist. Wichtig zu wissen: Sitze der älteren Norm EC 44 01 oder 02 sind seit einigen Jahren verboten.

3. Zubehör kostet oft extra

Es gibt eine ganze Menge Deko-Kram und verschiedene Bezugsstoffe. Das hat mit der Sicherheit nichts zutun, kann den Preis aber steigern. Zubehör wie ein Sonnendach, Kopfstützen, Sitzverkleinerer oder Gurtpolster sind manchmal inklusive, oft kosten sie aber extra. Deshalb immer den Preis für das Gesamtpaket kalkulieren lassen und überlegen: Was brauche ich wirklich? Was ist nur Schnickschnack und was wichtig für die Sicherheit meines Kindes?

Achtung bei gebrauchten Autositzen für Kinder!

Die Stiftung Warentest warnt außerdem davor, Kindersitze fürs Auto gebraucht zu kaufen. Klingt nach Schnäppchen, ist aber in vielen Fällen das Geld dennoch nicht wert. Denn oft sind die Gurte und Polster nicht mehr in optimalem Zustand oder es fehlt die Gebrauchsanweisung, die zum optimalen Einbau nötig ist.

Wichtig zu wissen: Nach einem Unfall sind Autokindersitze nicht mehr zu gebrauchen. Selbst wenn sie äußerlich noch ganz gut aussehen, können Haarrisse im Material den Sitz unsicher machen.

Spartipp: Mitwachsende Kindersitze

Der Preis allein sagt noch nicht, ob es ein guter Sitz ist. Wer beim Autositz sparen möchte, kann beispielsweise einen in mitwachsenden Kindersitz kaufen. Sie sind verstellbar und müssen nicht sofort ausgetauscht werden, wenn das Kind ein Stück gewachsen ist. Es gibt zum Beispiel Modelle für Kinder bis 13 Kilogramm Gewicht, das vereint Babyschale und Kindersitz für kleine Kinder. Auch hier gilt aber: gut beraten lassen und eine gute Qualität kaufen.

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