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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt (Foto: SWR3)
Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

In der EU sollen ab dem Jahr 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden. Auch SWR3-Hörer fragen sich, wo dann der Strom für die vielen E-Autos herkommen soll.

Die Umweltminister der EU-Staaten wollen, dass ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen verkauft werden – also keine herkömmlich betriebenen Autos mit Verbrennungsmotor. Bis 2030 soll der Ausstoß des klimaschädlichen Gases durch neue PKW um 55 Prozent reduziert werden, wie der Rat der Europäischen Union am Mittwoch mitteilte.

Jetzt muss ein finaler Kompromiss mit dem EU-Parlament ausgehandelt werden. Das hatte sich bereits zuvor für ein komplettes Aus für neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ausgesprochen.

Robert Habeck (@diegruenen) sprach vom „größten Klimaschutzpaket, das seit 15 Jahren in Europa geschmiedet wurde“. Findet ihr die Entscheidung richtig? https://t.co/r5ICNK3lUq

SWR3-Umweltexperte: Weniger Strombedarf als gedacht

Manche fragen sich, wie das überhaupt gehen soll: Wie soll Deutschland es schaffen, bis dahin für genügend E-Auto-Strom zu sorgen? SWR3-Umweltexperte Werner Eckert sagt aber, dass der zusätzliche Bedarf an Strom überschaubar wäre:

Wir brauchen exakt ein Sechstel mehr Strom – also nur ein Sechstel dessen, was wir heute benötigen, mehr.

Dass die Menge nicht höher sei, liege daran, dass die E-Autos den Strom sehr effizient nutzen, erklärt er. Aber er fügt auch hinzu: „Mit unseren heutigen Netzen geht es nicht." Die Stromnetze müssten dringend erneuert werden. Es sei aber nicht nötig, sie grenzenlos auszubauen. Denn smarte Technologie kann laut Eckert bei den Netzbetreibern dafür sorgen, dass die Stromversorgung je nach Bedarf geregelt werden kann.

„Es müssen ja nicht alle E-Autos zum gleichen Zeitpunkt geladen werden – genauso wenig, wie alle Waschmaschinen zum gleichen Zeitpunkt laufen müssen.“

Werner Eckert im Interview mit SWR3-Moderator Marcus Barsch:

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Highlights anhören Fragen und Antworten zum geplanten Verbrenner-Ende 2035

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Das EU-Parlament hat entschieden, dass ab 2035 keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden sollen. Die Mehrheit der Abgeordneten hat dafür gestimmt, dass die Autohersteller dann “nur noch Neuwagen auf den Markt bringen dürfen, die keine Treibhausgase ausstoßen”! Dazu haben uns viele Fragen von SWR3 Hörern erreicht und wir beantworten sie, mit Werner Eckert aus unserer SWR3-Umweltredaktion.

Verbrenner: Bundesregierung lässt sich Hintertür offen

Erst während der Verhandlungen auf EU-Ebene hatte sich die Bundesregierung auf eine gemeinsame Position zum möglichen Verbrenner-Aus geeinigt. Autos sollten demzufolge auch nach 2035 mit Verbrenner zugelassen werden können, wenn sie klimafreundliche synthethische Kraftstoffe nutzen. Vorher hatte es allerdings Unstimmigkeiten in der Ampel-Koalition gegeben: Grüne und SPD waren für das Verbot von Neuzulassungen für Verbrennungsmotoren ab 2035, die FDP war dagegen.

Auch mehrere große Auto-Hersteller, darunter Mercedes und Ford, hatten im November auf der Weltklimakonferenz in Glasgow einen Verkaufsstopp für Autos mit Benzin- und Dieselmotoren in den führenden Märkten ab 2035 gefordert.

Faktencheck Sind E-Autos doch Klima-Killer?

Gerüchte bleiben hart, dass sie doch ganz schöne Umweltsünder sind. Wir schauen uns die Fakten an – und die haben sich in letzter Zeit erstaunlich verändert.

CDU und ADAC sehen Verbot neuer Verbrenner kritisch

Kritik an den Plänen gibt es zum Beispiel von der CDU. „Grüne, Liberale und Sozialdemokraten setzen leider lieber alles auf die Karte Elektromobilität“, sagte der CDU-Europaabgeordnete Jens Gieseke. Er fürchtet nach eigenen Worten um die Wettbewerbsfähigkeit Europas und zahlreiche Arbeitsplätze. Gieseke räumte aber ein:

Das Verbrennerverbot 2035 wird wohl nicht mehr zu verhindern sein.

Auch der ADAC sieht das geplante Verbot kritisch. „Allein mit der Elektromobilität werden sich im Verkehr die ambitionierten Klimaschutzziele nicht erreichen lassen“, sagte ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze. Aus Sicht des Automobilverbands wäre es notwendig gewesen, „auch eine Perspektive für den klimaneutral betankten Verbrennungsmotor zu öffnen“. Die Abgeordneten des EU-Parlaments haben sich aber gegen diese Möglichkeit ausgesprochen.

Der Gesetzesentwurf ist Teil des Klimapakets „Fit for 55“, mit dem die EU klimaschädliche Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 senken und bis 2050 klimaneutral zu werden will.

Die Öko-Checker von SWR Marktcheck haben sich E-Autos und Autos mit Verbrennungsmotor genauer angeschaut:

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