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Eine noch unveröffentlichte Studie zeigt, wie groß die Anteckungsgefahr in Flüchtlingsunterkünften ist – das Infektionsrisiko kann demnach sogar höher sein als auf einem Kreuzfahrtschiff.

Der große Corona-Ausbruch in einem Flüchtlingsheim in Sankt Augustin bei Köln mit mindestens 130 positiv getesteten Personen kommt für Experten nicht überraschend.

Flüchtlingsunterkünfte und Asylbewerberheime könnten aufgrund der hohen Personendichte sogar zu Hotspots für Corona-Infektionen in Deutschland werden. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt eine bisher unveröffentlichte Studie, die dem SWR exklusiv vorliegt und die für die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzGA) erstellt wird.

Ansteckungsrisiko vergleichbar mit dem auf Kreuzfahrtschiffen

Grundlage für die Untersuchungen der Universität Bielefeld und weiteren Wissenschaftlern des „Kompetenzzentrum Public Health Covid-19“, einem Netzwerk aus 25 Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, waren gemeldete Infektionen von Covid-19 in 23 Einrichtungen für Geflüchtete in sieben verschiedenen Bundesländern.

Das vorläufige Ergebnis der Studie besagt, dass das Infektionsrisiko in den untersuchten Einrichtungen vergleichbar hoch oder sogar höher ist als auf Kreuzfahrtschiffen. Auf diesen wurde aufgrund der hohen Personendichte eine besonders hohe Übertragungsrate festgestellt.

Die Ergebnisse basieren auf 1.367 bestätigten SARS-CoV-2 Infektionen unter 6.083 Asylbewerbern, die zum Zeitpunkt der Untersuchung unter Quarantäne standen. 

Warum ist das so?

Als Ursache vermuten die Forscher, dass in den Sammelunterkünften die Corona-Verordnungen nicht eingehalten werden können: Die Unterbringung mehrerer Menschen, die nicht zur gleichen Familie gehören in engen Zimmern, die gemeinsame Nutzung von WC und Dusche, die Tatsache, dass Essen nicht getrennt zubereitet werden kann. Die Unterbringung von teilweise mehreren hundert Personen auf engstem Raum mache es den Bewohnern unmöglich, die Abstandsregeln oder Hygienevorschriften in den Einrichtungen einzuhalten.

Wenn man keine Situation haben möchte, in der inländische Corona-Hotspots generiert werden, die das Infektionsrisiko von Kreuzfahrtschiffen mit sich bringen, müssten die zuständigen Behörden dringend eine Unterbringung umsetzen, die mit den Corona-Schutzmaßnahmen konform ist.

Kayvan Bozorgmehr, Studienleiter, Professor für Public Health an der Uni Bielefeld

Konkret hieße das: die Unterbringung in Einzelzimmern oder eine dezentrale Unterbringung. „Zumindest Menschen mit chronischen Vorerkrankungen oder ältere Menschen sollten frühzeitig identifiziert und aus den Massenunterkünften verlegt werden, um sie besser schützen zu können und um gleichzeitig mehr Abstand für die Nicht-Risikogruppe zu schaffen.“

Aymaz: Massenunterbringung stößt in Pandemie an Grenzen

Berivan Aymaz (Grüne), Landtagsabgeordnete und flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen in Nordrhein-Westfalen, hatte bereits vor Wochen die Landesregierung auf den unzureichenden Schutz von Flüchtlingen in den großen Landeseinrichtungen hingewiesen und Maßnahmen gefordert.

Es zeigt sich an Sankt Augustin ganz deutlich, dass die Massenunterbringung, die die Landesregierung mit dem Asylstufenplan eingeführt hat, an ihre Grenzen stößt, gerade in Pandemie-Zeiten.

Berivan Aymaz (Grüne)

Konkret fordert die Abgeordnete von der Landesregierung, dass Flüchtlinge kurzfristig in freistehende Einrichtungen von Kirchen, Kommunen oder privaten Trägern verteilt werden, um Hygienevorschriften und einen sicheren Abstand zu garantieren. Dies sei auch im Interesse des Schutzes aller im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus.

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