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Ferdinand Vögele
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)
Constantin Pläcking

134 Menschen sind bei der Flutkatastrophe allein in Rheinland-Pfalz im Ahrtal gestorben. Die Aufarbeitung läuft und bringt unglaubliche Details ans Licht: Ein Fax hätte womöglich schlimmeres verhindern können – doch es fehlte. Nun verteidigt die Koblenzer Bürgermeisterin das Vorgehen der Leitstelle.

Die Antwort des rheinland-pfälzischen Innenministeriums auf eine Anfrage der Freien Wähler hat es in sich: Die Integrierte Rettungsleitstelle in Koblenz hatte in der Flutnacht offenbar nur deshalb keine Warnung herausgegeben, weil ein unterschriebener Vordruck aus Ahrweiler fehlte.

Im Audio: Das steht im Antwortschreiben des rheinland-pfälzischen Innenministeriums.

Integrierte Leitstelle einer Feuerwehreinheit. (Foto: IMAGO, IMAGO / teutopress)

Nachrichten Flutkatatsrophe: Fehlte ein Fax?

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134 Menschen sind bei der Flutkatastrophe im Ahrtal gestorben. Die Aufarbeitung läuft und bringt unglaubliche Details ans Licht: Ein Fax hätte womöglich Schlimmeres verhindern können – doch es fehlte.

Flutkatastrophe im Ahrtal: Schriftliche Aufforderung zur Warnmeldung fehlte

Denn laut dem Schreiben gilt Folgendes: Die Leitstelle darf nur dann eine Warnmeldung über die Nina-App und an den Rundfunk schicken, wenn eine schriftliche Aufforderung vorliegt. Die muss vom zuständigen Einsatzleiter im Kreis unterzeichnet sein. Dies sei aber weder telefonisch noch per Fax oder E-Mail passiert, hieß es.

Ahrtal Ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 sterben bei dem verheerenden Hochwasser mehr als 130 Menschen. Sechs Monate später ist noch nichts wieder richtig normal – aber es wird langsam besser.

Aufarbeitung der Flutkatastrophe: Muss die Koblenzer Bürgermeisterin vor den Untersuchungsauschuss?

Der Obmann der Freien Wähler im Untersuchungsausschuss Stephan Wefelscheid sagte dem SWR, er finde es sehr merkwürdig, dass man in einer Leitstelle auf ein Fax warten würde. Vor allem, weil in der Leitstelle zeitgleich Tausende Notrufe aus dem Ahrtal eingegangen seien.

Die Freien Wähler wollen jetzt die für die Leitstelle verantwortliche Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs vor den Untersuchungsausschuss laden.

Bürgermeisterin Mohrs verteidigt die Koblenzer Leitstelle

Mohrs sagte im SWR-Interview, dass die Einsatzzentrale in Koblenz im Katastrophenfall nicht den Überblick hätte, um eigenmächtig die Bevölkerung zu warnen. Vielmehr sei es in Rheinland-Pfalz klar geregelt, wer Warnungen auslösen dürfe: Das seien die Gemeinden und die Landkreise.

Mohrs erklärte weiter, dass die Leitstelle den kommunalen Einsatzleitungen nur zuarbeiten würde. Das müsse auch dann gelten, wenn in der Leitstelle viele Notrufe eingingen. Dies sei auch sinnvoll, weil die Feuerwehren vor Ort die Lage normalerweise viel besser einschätzen könnten, so Mohrs.

Mohrs bestätigt: Tausende Notrufe in der Flutnacht eingegangen

Doch in der Flutnacht habe die Leitstelle weder aus dem Kreis Ahrweiler noch von den Gemeinden eine entsprechende Aufforderung erhalten. Dass tausenden Notrufe, in der Flutnacht in der Koblenzer Leitstelle eingegangen waren, bestätigte Mohrs allerdings.

Unsere Kollegen von SWR Aktuell haben ein Minutenprotokoll der Flutkatrastrophe im Ahrtal erstellt, dass ihr hier nachlesen könnt.

Rheinland-Pfalz

Rekonstruktion einer Katastrophe Was ist in der Flutnacht passiert? - Ein Protokoll

Knapp ein Jahr nach der Jahrhundertflut im Ahrtal hat der Untersuchungsausschuss viele Zeugen befragt, um Klarheit zu gewinnen: Wie konnte es zu einer solchen Katastrophe kommen?

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