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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)
Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)
Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

Sie sind wieder da: apokalyptische Bilder von austrocknenden Flüssen in SWR3Land. Schon Mitte Juli führten die Flüsse so wenig Wasser wie sonst im Spätsommer. Jetzt wurde auch der Schiffskonvoi für das Großevent Rhein in Flammen ist abgesagt.

Es ist trocken und heiß. Und es ist dramatisch. Am Rhein sieht man Sandbänke und Inseln, die zu Fuß erreichbar sind, auch breite Uferstreifen – deutlich ist sichtbar, dass der Rhein zu wenig Wasser führt. Und Regen ist nicht in Sicht. Der Schiffskonvoi für das Großevent Rhein in Flammen von Spay und Braubach bis Koblenz ist abgesagt. Der niedrige Pegel berge zu viele Risiken für die Schifffahrt, heißt es in einer Mitteilung. Wenn man diese Bilder sieht, wird das deutlich:

Tiere ersticken wegen Wassermangel

Das NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen warnt, die dortigen Inseln bei dem derzeitigen Niedrigwasser zu betreten. Durch den niedrigen Wasserstand seien die Naturschutzgebiete jetzt schon fast trockenen Fußes zu erreichen, wo man sonst mit einem Boot anlegen müsste, sagt Michael Markowski vom NABU. Dies könne die Vögel verscheuchen.

Auf den Rheinauen suche beispielsweise der Flussuferläufer nach Nahrung und habe dort seinen Schlafplatz. Das Niedrigwasser auf dem Rhein sei auch ein Problem für Amphibien sowie Muscheln und Schnecken, die am trockenen Ufer absterben.

Bodensee: Drittniedrigster Pegel

Auch dem Bodensee merkt man die anhaltende Trockenheit an – mit einem historisch niedrigen Wasserpegel. Am Donnerstag (11. August) war es der drittniedrigste an diesem Datum gemessene Stand am Pegel Konstanz seit 1850. 311 Zentimeter wurden laut Hochwasservorhersagezentrale gemessen – niedriger war er nur 1949 (298 Zentimeter) und 2003 (302 Zentimeter).

Schlimmer Wassermangel in Baden-Württemberg

Seit Kurzem hat Baden-Württemberg die Wasserentnahme aus zahlreichen Flüssen, Bächen und Seen verboten. Der Grund: Es ist einfach zu wenig Wasser da. Aus den Bergen kommt wegen der Trockenheit nichts mehr in die Bäche und von da in die Flüsse herab. Ähnlich sieht es auch an anderen Orten aus.

Ein Beispiel: die Ahr. Das Flüsschen, das im vergangenen Jahr so viel Unheil über die Menschen an seinen Ufern gebracht hat, ist an seiner Mündung keinen halben Meter mehr breit. Unsere Foto-Galerie von Ende Juli zeigt das Drama hier, aber auch im Rhein oder der kleinen Dreisam in Baden-Württemberg:

Die Ahr – Stand 21.7.2022 – bzw. das, was von ihr da noch übrig ist. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)
Die Ahr – Stand 21.7.2022 – bzw. das, was von ihr da noch übrig ist. picture alliance/dpa | Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen
Ahrmündung bei Sinzig in Rheinland-Pfalz: Ein Mann steht mit einem Fuß auf dem linken und dem anderen Fuß auf dem rechten „Ufer“ der Ahr. IMAGO / Marc John Bild in Detailansicht öffnen
Hier sieht man, wie breit der Mündungsbereich der Ahr normalerweise ist. IMAGO / Marc John Bild in Detailansicht öffnen
Felsen schauen aus dem Mittelrhein beim rheinland-pfälzischen Oberwesel heraus. Ein Schiff scheint sich dazwischen hindurchzuwinden. picture alliance/dpa | Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen
Noch einmal der Mittelrhein bei Oberwesel: Sand und Wasser scheinen sich hier mittlerweile die Waage zu halten. picture alliance/dpa | Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen
Zuletzt ein Blick auf die Dreisam – hier bei Freiburg – unter normalen Umständen... picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth Bild in Detailansicht öffnen
... und so bei Teningen am 13. Juli. picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth Bild in Detailansicht öffnen

Rheinschiffe sind höchstens noch halb beladen

Dazu heizen sich die Gewässer bei diesem Wasserstand schnell auf: Rheinland-Pfalz hat schon Ende Juli die erste Warnstufe wegen hoher Gewässertemperaturen ausgerufen. Die Temperaturen der Fließgewässer hätten inzwischen die 25 Grad im Tagesmittel überschritten, so das Umweltministerium.

Wie immer sieht man das Übel auch am Rhein – vor allem in Rheinland-Pfalz. Er ist ein wichtiger Transportweg für Güter wie Getreide, Kohle, Benzin und Heizöl. Flaches Wasser führt zu Zuschlägen auf die Frachtraten und damit zu höheren Kosten für die Frachteigentümer.

Derzeit könnten die Schiffe noch fahren, es hänge aber vom Schiffstyp ab, ob mit 50 oder nur 30 Prozent der Ladung, so ein Sprecher des Wasserschifffahrtsamtes WSA .

Rheinland-Pfalz

Binnenschifffahrt stark eingeschränkt Freie Fahrt für Güterzüge wegen Niedrigwasser und Energiekrise

Die niedrigen Pegelstände an den Flüssen führen zu einer Verlagerung wichtiger Transporte auf die Schiene. Dort sollen nun Öl- und Kohletransporte Vorrang bekommen vor anderen Zügen.  mehr...

Jeder Tropfen Regen hilft gegen das Niedrigwasser des Rheins

Nach Angaben von Rohstoffhändlern ist der Wasserstand in Kaub so niedrig, dass die Schiffseigner im Rahmen ihrer Verträge die Möglichkeit haben, Transporte zu stornieren, wenn sie glauben, dass ihre Schiffe nicht mehr sicher fahren können. Noch führen sie weiter, seien in Kaub aber oft nur zu 30 Prozent beladen.

Erstes Halbjahr 2022 zu heiß und zu trocken

Auch in Baden-Württemberg ist der Sommer zu früh gekommen. Die Gewässer und Grundwasserstände seien schon jetzt vielerorts zu niedrig, meldete die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).

Auch das gesamte erste Halbjahr sei dieses Jahr im Südwesten deutlich zu heiß und zu trocken ausgefallen. Von Januar bis Juni fielen nur rund 80 Prozent des Niederschlages, der im langjährigen Mittel für diesen Zeitraum üblich sei. Auch die Lufttemperaturen seien überdurchschnittlich gewesen.

Dreisam bei Freiburg liegt seit Ende Juli trocken

Zwei Drittel der Pegel der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg (HVZ) wiesen Mitte Juli bereits einen Wasserstand auf, der unter dem niedrigsten Wasserstand eines durchschnittlichen Jahres liegt.

Im Oberrhein und der baden-württembergischen Donau liege der Wasserstand inzwischen im Bereich des „Mittleren Niedrigwassers“. Die Dreisam bei Freiburg sei bereits seit Ende Juli trocken gefallen. Am Bodensee sei der Wasserstand mehr als 80 Zentimeter niedriger als für die Jahreszeit üblich.

Üblicherweise bildeten sich solche Niedrigwasser eher zum Spätsommer hin aus, so die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe.

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