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Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca soll in Deutschland jetzt auch den über 65-Jährigen verimpft werden. Virologen hatten den Impfstoff schon länger als sehr wirksam eingestuft.

In Deutschland sollen jetzt auch die über 65-Jährigen mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gab bekannt, dass die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (Stiko) das Vakzin jetzt auch für diese Altersgruppe empfiehlt. „Das ist eine gute Nachricht für alle Älteren, die auf eine Impfung warten. Sie können schneller geimpft werden“, erklärte Spahn.

Bisher war der Impfstoff nur für Jüngere zugelassen. Neue Studien aus Großbritannien zeigen aber, dass er auch Ältere wirksam vor Covid-19-Erkrankungen schützt. Die Studiendaten belegten zudem, dass das Mittel bei einem Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung von zwölf Wochen noch wirksamer ist. Auch das befürworte die Stiko.

Wie wirksam ist der Astrazeneca-Impfstoff?

Die Impfeffektivität der getesteten Personen beim Astrazeneca-Impfstoff liegt bei 80%. Das ist zwar weniger als beim Impfstoff von Biontech und Pfizer (95% Effektivität). Aber: Rund 80% Effektivität sind solide und bei anderen Impfungen durchaus normal.

Warum war der Impfstoff von Astrazeneca so in Verruf geraten?

Der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl erklärte in SWR3, es seien vor allem anfangs falsche Zahlen veröffentlicht worden. Die 80-prozentige Wirksamkeit des Impfstoffs liege nicht sehr weit unter den höher wirksamen mRNA-Impfstoffen. Auch was die angeblichen Nebenwirkungen angeht, hat Watzl eine einfache Erklärung:

Corona-Impfstoff von Astrazeneca mit Spritze (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nachrichten Asztrazeneca-Impfstoff: Wo das schlechte Image herkommt

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Das schlechte Image des Astrazeneca Impfstoffs sei eigentlich unbegründet, so Immunologe Carsten Watzl. Der Impfstoff...Posted by SWR3 on Tuesday, March 2, 2021

Vorsitzender des Weltärztebundes empfahl Astrazeneca nicht für medizinisches Personal

Aufgrund der früheren Studienlage empfahl der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, noch im Februar, dass medizinisches Personal und Pflegekräfte nicht mit dem Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca geimpft werden sollten. Der Impfstoff sei zwar genauso sicher wie die anderen, „doch die geringere Wirksamkeit lässt sich nicht wegdiskutieren“, sagte Montgomery damals der Rheinischen Post.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach konnte diese Haltung aber schon zu der Zeit nicht verstehen und postete auf Twitter:

(1) Der Boykottaufruf von Montgomery gegen Astra Impfstoffs für medizinisches Personal ist mE völlig verantwortungslos. Wie wollen wir Bürger für diesen lebenswichtigen Impfstoff gewinnen, wenn Ärztekammerpräsident ihn für Ärzte für nicht gut genug hält? https://t.co/UU4Yf8Fl21

(2) Astra Impfstoff kann bei meisten Mutationen schwere Verläufe und Tod verhindern, vielleicht bei allen. Ich werde ab Ende Februar auch regelmässig als Impfarzt in Leverkusen mitarbeiten. Das gesamte Team, auch ich, werden uns mit dem Astra Impfstoff impfen. Wir vertrauen ihm

Wie und ob die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff gegen neue Virusmutanten helfen, hat Wissenschaftsjournalistin Mai Thi auf YouTube erklärt:

Nebenwirkungen beim Astrazeneca-Impfstoff

Leichte Schmerzen in der Einstichstelle sind nach einer Impfung normal und auch Abgeschlagenheit nach einer Impfung ist häufig und zeigt, dass unser Immunsystem seinen Job macht.

Auf Twitter sind unter #AstraZeneca aber auch Tweets über den Impfstoff, in denen von solchen Impfreaktionen berichtet wird:

3 Tage nach der Impfung mit #AstraZeneca: Mir geht es blendend. Keine Kopfschmerzen mehr (trotz Wetterumschwung), das Auftreten der leichten Übelkeit war einmalig und meine Temperatur war immer normal, höchste Messung 36,8°C. Lasst euch impfen! Corona ist härter zu euch.

Montag Nachmittag endlich Impftermin mit #AstraZeneca Impfstoff gehabt. In der Nacht zum Dienstag Schüttelfrost, morgens gerädert, in der Praxis wie in Trance gearbeitet. Heute deutlich besser. Liegt evtl. am Vektor - Schimpansen-Adenoviren kennt mein #immunesystem eher nicht. https://t.co/21oxo90Hx2

Das ist auch nicht ungewöhnlich: Nebenwirkungen beziehungsweise Impfreaktionen vom Impfstoff Astrazeneca waren im Vorfeld bekannt. Das Pharmaunternehmen hat Fieber als relativ häufig vorkommende, aber mild verlaufende und schnell vorübergehende Nebenwirkung seines Vakzins angegeben. Als weitere Nebenwirkungen werden vorübergehende lokale und systemische Reaktionen wie Schmerzen und Empfindlichkeit an der Injektionsstelle, leichte bis mäßige Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schüttelfrost, Fieber, Unwohlsein und Muskelschmerzen angegeben.

Anteil der Teilnehmer, bei denen die Reaktion auftrat:

  • Abgeschlagenheit (Fatigue) 70 Prozent
  • Kopfschmerzen 68 Prozent
  • Muskelschmerzen 60 Prozent
  • Malaise 61 Prozent
  • Frösteln 56 Prozent
  • Fiebriges Gefühl 51 Prozent
  • Über 38 Grad Fieber 18 Prozent
  • Über 39 Grad Fieber 2 Prozent

Nebenwirkungen bei Astrazeneca: Das sagt die SWR-Wissenschaftsredaktion

Es geht bei der ganzen Impferei nicht nur um uns als Individuen, sondern auch darum, die Corona-Pandemie zu beenden und schwere Verläufe, also Krankenhausaufenthalte, Todesfälle und damit am Ende auch ein überlastetes Gesundheitssystem zu verhindern. Dazu kann auch der Impfstoff von Astrazeneca entscheidend beitragen, sagt Franziska Ehrenfeld aus der SWR-Wissenschaftsredaktion:

Nebenwirkungen kommen etwas öfter vor, aber Begleiterscheinungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Fieber sind bei allen Covid-19-Impfstoffen ziemlich häufig. Und genau genommen sind das sogar erwünschte Nebenwirkungen: Denn sie zeigen, dass das Immunsystem auf die Impfung anspringt.

Franziska Ehrenfeld aus der SWR-Wissenschaftsredaktion
Astrazeneka Impfstoff und Spritze (Foto: Imago, IMAGO / ZUMA Wire)

Astrazeneca - ein minderwertiger Impfstoff? Das sind die Fakten

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Wegen Nebenwirkungen von Astrazeneca: Schweden stoppte kurzzeitig Impfungen

In Teilen Schwedens waren Corona-Schutzimpfungen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca kurzzeitig gestoppt worden. Der Grund: In einem Krankenhaus in der schwedischen Provinz Sörmland hatten 25 Prozent der Geimpften mit Nebenwirkungen zu kämpfen.

Die schwedische Region Sörmland sieht inzwischen keinen Grund mehr zur Sorge. Man habe Gespräche mit der nationalen Arzneimittelbehörde und dem Hersteller geführt und es gebe nichts, was darauf hindeute, dass etwas mit dem gelieferten Impfstoff nicht in Ordnung sei, teilte die Region Sörmland auf Anfrage der dpa mit. Die Corona-Impfungen werden demnach im Laufe der Woche wieder aufgenommen.

Nebenwirkungen von Astrazeneca in NRW

Nebenwirkungen sollen auch im Kreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen beobachtet worden sein, das berichtet die Neue Westfälische Zeitung. Dort sei es nach Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff zu mehreren krankheitsbedingten Ausfällen gekommen. Insgesamt waren mindestens 21 Beschäftigte des Rettungsdienstes betroffen.

Virologe Drosten mit seiner Meinung zum Impfstoff von Astrazeneca

Virologe Christian Drosten hält den viel diskutierten Corona-Impfstoff von Astrazeneca schon länger für ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die Pandemie. Es gebe keinen Grund, in Deutschland nicht mit dem Mittel zu arbeiten, sagt der Charité-Virologe in seinem Podcast im Februar.

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