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In Frankreich hat das Parlament am Donnerstag ein Gesetz zum Schutz der Geräusche und Gerüche auf dem Land verabschiedet. Damit gehören etwa Hahnenschreie und das Blöken von Schafen bald zum Kulturerbe. Grund dafür war unter anderem eine Klage eines aufs Land gezogenen Paares gegen das frühe Krähen eines Hahnes. Wir erklären, was das Gesetz für das Landleben in Frankreich bedeutet.

Ländliche Geräusche und Gerüche werden in Zukunft Teil des Kulturerbes in Frankreich sein. Als Teil dieses sind sie vor Klagen geschützt – falls man sich beispielsweise an dem lauten Krähen eines Hahnes stört. Das hat am Donnerstag das Parlament in Paris beschlossen.

Muhende Kühe und Stall-Geruch: Schutz des „Sinnes-Erbe“

Mit dem Schutz des „Sinnes-Erbe“, also den ländlichen Tiergeräuschen und Gerüchen, sollen vor allem Klagen zugezogener Städter über zu viel Lärm auf dem Land verhindert werden. Frankreichs Agrar-Staatssekretär Joël Giraud begrüßte den Beschluss. Wer auf dem Land wohne, müsse „einige Belästigungen in Kauf nehmen“, sagte er. Vor allem in der Corona-Pandemie hatte es unter anderem viele Pariser aufs Land gezogen, um der Enge in der Stadt zu entgehen.

Zu den ländlichen Geräuschen zählen neben den Tiergeräuschen etwa von Kühen auch das Läuten von Kirchenglocken und das Zirpen von Grillen. Zum ländlichen Kulturerbe soll in Zukunft auch der Geruch von Schweine- oder Pferdeställen gehören, der somit auch vor Klagen geschützt sein soll.

Rentnerpaar hatte gegen Hahn Maurice geklagt

Grund der Gesetzesvorlage zum Schutz der Landgeräusche und -gerüche dürften vorherige Klagen gewesen sein. In Frankreich hatte es zuletzt eine ganze Reihe von  Prozessen gegen angebliche Belästigungen auf dem Land gegeben. Am meisten Aufmerksamkeit erzeugte die Klage eines zugezogenen Rentnerpaars auf der Atlantik-Insel Oléron. Ihre Klage richtete sich gegen einen Hahn namens Maurice. Das Paar störte sich daran, dass Maurice in den frühen Morgenstunden laut gekräht hatte. Im September 2019 entschied das Gericht dann aber: Maurice darf weiter krähen.

Hahn "Maurice" darf in Frankreich weiterhin ungehindert krähen. Eine Klage gegen die Besitzerin des Tiers wurde nun von dem Landgericht in Rochefort abgewiesen https://t.co/WWCkW7hjU4 @dpa-Newsblog via @radio_sauerland https://t.co/pcgBCermNX

Initiative für das Gesetz kommt aus kleinem Dorf Gajac

Die Initiative für den Schutz des ländlichen „Erbes“ geht auf den Bürgermeister des knapp 400-Seelen-Dorfes Gajac im Südwesten Frankreichs, Bruno Dionis du Séjour, zurück. Der pensionierte Landwirt hatte sich zuvor in einem offenen Brief gegen Zugezogene „mehrheitlich städtischer Herkunft“ gewandt, die aufs Land ziehen „und dort entdecken, dass Eier nicht auf Bäumen wachsen“. Er erhielt massiven Zuspruch für seinen Vorstoß, Landgeräusche und -gerüche vor Klagen zu schützen – jetzt auch aus dem Parlament.

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