STAND
AUTOR/IN
Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)
Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)
Ferdinand Vögele
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)
Katrin Stöver-Böhm
Katrin Stöver-Böhm (Foto: Max Orlich)

Einen Tag nach dem Großbrand in Essen hatte ein nagelneuer Polizeiroboter seine große Stunde. Er wurde statt der Gutachter in die Ruine geschickt.

Das Feuer ist gelöscht und es ist traurige Gewissheit: Die Brandruine in Essen ist einsturzgefährdet und muss abgerissen werden. Betreten für Menschen ist wegen der Gefahr verboten. Wer kann sich also ein Bild von der Lage im Inneren machen? Ein Vierbeiner!

Aber nicht irgendeiner, sondern ein Vierbeiner-Roboter – ausgestattet mit Kameras und Sensoren: Polizei-High-Tech auf vier Beinen. Der Roboter wiegt 35 Kilo und ist erst vor ein paar Wochen bei einem Termin mit NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in Duisburg vorgestellt worden. Er untersuchte das Erdgeschoss der Ruine am Dienstagvormittag.

Man sieht den ausgebrannten Wohnkomplex, davor ausgebrannte Autos.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Thissen)
Der ganze Wohnkomplex ist zerstört. Auch geparkte Autos sind verbrannt. picture alliance/dpa | Bernd Thissen Bild in Detailansicht öffnen
Das Feuer war kurz nach Mitternacht in der Bargmannstraße ausgebrochen. Die Flammen breiteten sich schnell über mehrere Etagen aus. picture alliance/dpa | Bernd Thissen Bild in Detailansicht öffnen
Von den Wohnungen ist nichts übriggeblieben. IMAGO / Reichwein Bild in Detailansicht öffnen
Lichterloh schlagen Flammen in der Nacht aus den Fenstern der Wohnungen. picture alliance/dpa/KDF-TV | Stephan Witte Bild in Detailansicht öffnen
Flammen schlugen aus der gesamten Fassade. picture alliance/dpa | Markus Gayk Bild in Detailansicht öffnen

Eigentümer: Schaden nach Brand in Essen in zweistelliger Millionenhöhe

Laut dem Chef des Eigentümerunternehmens Vivawest liegt der Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Abriss und Sanierung der Brandstelle und der Tiefgarage darunter würden langwierig, sagte Uwe Eichner. Vivawest kümmere sich jetzt vor allem darum, den 128 Betroffenen neue Wohnungen zu vermitteln.

Wenigstens eine gute Nachricht gibt es: Die drei Verletzten konnten das Krankenhaus mittlerweile wieder verlassen. Über die Brandursache gebe es noch keine Informationen, sagte Vivawest-Chef Eichner. Die Sachverständigengutachten stünden noch aus.

Noch keine genauen Angaben zur Brandursache

Gerüchte, das Feuer habe sich über die Brandschutzfassade schnell ausgebreitet, könne man nicht bewerten, sagte der Leiter des Essener Ordnungsdezernates, Christian Kromberg. Es gäbe keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten oder Pfusch beim Bau des 2015 fertiggestellten Hauses.

Sowohl im Baugenehmigungsverfahren als auch bei der Bauabnahme hat es keine Schwierigkeiten gegeben. Wir können und müssen zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgehen, dass alles korrekt gelaufen ist.

Nachbar: „Wie nach einem Raketeneinschlag“

Michael Kramm wohnt im Haus direkt gegenüber und hat das Feuer aus nächster Nähe mitbekommen. „Es sieht hier aus wie nach einem Raketeneinschlag“, sagte er in SWR3 am Montagmittag.

Großbrand in einem Wohngebäude in Essen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Reichwein)

Nachrichten Anwohner: "Wie nach einem Raketeneinschlag"

Dauer

Wie die Bewohner des brennenden Hauses konnten sich auch die Nachbarn rechtzeitig ins Sicherheit bringen: „Uns geht es gottseidank gut. Meine Frau und mein Sohn durften sich in einer Kita in der Nähe hinlegen und müssen jetzt erst mal den Schlaf nachholen“, erzählte uns Michael.

Flammen griffen rasend schnell um sich

Was halt schockierend ist, ist halt das Bild, das ich in Erinnerung behalten werde“, sagte Michael. Er habe die Rollläden hochgezogen und gesehen, dass die Nachbarwohnung in Flammen stehe. Die Familie habe sich schnell angezogen und etwa eine Minute später noch einmal aus dem Fenster geschaut. „Dieser Schock, wie schnell sich das Feuer hier verbreitet habe, das war für mich der schockierende Moment.

Sturm Antonia hat Brand immer weiter angeheizt

Dass während des Brandes Sturm Antonia über Essen zog, hat der Feuerwehr große Probleme bereitet. Nicht nur, dass die Flammen durch den starken Wind auf fast alle Wohnungen in dem Komplex übergriffen, auch Nachbargebäude seien dadurch beschädigt worden.

Durch die geplatzten Fensterscheiben hätten sich die Flammen in die Wohnungen gefressen und darin „alles“ zerstört. Sogar an 15 Metern entfernt stehenden Gebäuden in der Nachbarschaft seien durch die große Hitze – angefacht durch den Sturm – Rollläden geschmolzen und Fensterscheiben zerbrochen.

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), schrieb auf Twitter, die Nachrichten aus Essen seien erschütternd.

Die Nachrichten aus Essen sind erschütternd. Viele Menschen haben über Nacht ihre Wohnung, Hab und Gut verloren. Ich habe mich bei OB @TKufen in einem Telefonat über die Lage informiert. Mein großer Dank gilt den Einsatzkräften vor Ort, die noch immer gegen das Feuer kämpfen. https://t.co/sWN1WVus4v

Infoseite für Betroffene und Helfende

Der Essener Fotograf Christoph Reichwein twitterte auch einen Link zur Infoseite der Stadt Essen – hier können sich Betroffene melden, aber auch Menschen, die den jetzt obdachlosen Bewohnern des abgebrannten Wohnhauses helfen möchten.

Weil ich Nachfragen dazu bekomme: Die Stadt #Essen hat eine Infohotline und ein #Spendenkonto eingerichtet, um den über 100 Menschen nun schnell und unbürokratisch zu helfen. Wer helfen möchte, unter dem Link der @Essen_Ruhr gibt es alle Informationen. https://t.co/NflymdhIgu

STAND
AUTOR/IN
Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)
Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)
Ferdinand Vögele
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)
Katrin Stöver-Böhm
Katrin Stöver-Böhm (Foto: Max Orlich)
SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 7. August, 21:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

Dauer

Meistgelesen

  1. Klotten

    Unglück in Freizeitpark bei Cochem Horror in RLP: Frau fällt aus Achterbahn und stirbt

    Normalerweise spielen Fahrgeschäfte in Freizeitparks mit der Angst der Menschen und geben ihnen so einen Adrenalinkick. Jetzt ist eine Frau aber wirklich abgestürzt und gestorben.  mehr...

  2. Münster

    SWR3 Tatort-Check: „Es lebe der König“ Ritterliche Kulisse, dünne Handlung

    Viel Klamauk auf der Ritterburg. Der Burgherr dümpelt tot in Ritterrüstung im Burggraben. War es ein Unfall oder Mord? Und, wer hat dem Burgherren Manfred geholfen, in die Ritterrüstung zu klettern? Hat er oder sie ihn auch umgebracht?  mehr...

  3. Ungebetener Besuch mit acht Beinen Nosferatu-Spinne: Ludwigshafenerin berichtet von Szenen wie im Horrorfilm

    Sie ist bis zu acht Zentimeter groß und heißt wie ein Vampir. Die Nosferatu-Spinne breitet sich in SWR3Land aus. Eine Frau hat Dinge erlebt, die manchen wohl Alpträume bereiten...  mehr...

  4. Meinung geändert: „Ich würde mich nicht noch einmal impfen lassen.“

    Viele Menschen haben sich gegen Corona impfen lassen, sie waren keine Impfgegner. Aber heute würden manche es nicht noch einmal tun. Wie geht es ihnen? Und was hat ihre Meinung geändert?  mehr...

  5. Warnung vor krebserregendem Stoff Häagen-Dazs: Hersteller ruft noch mehr Eissorten zurück

    Der Rückruf von Eis der Marke Häagen-Dazs weitet sich aus. Nun sind 15 Produkte betroffen, weil sie einen krebserregenden Stoff enthalten könnten. Hier erfahrt ihr, welche es sind.  mehr...

  6. Liveblog zum Krieg in der Ukraine Britischer Geheimdienst: Russland hat sechs hochrangige Militärs entlassen

    Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen: Während die Welt den Einmarsch verurteilt, zerstören russische Truppen Städte und Infrastruktur. Alle Infos dazu.  mehr...