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Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

Wegen der Corona-Pandemie müssen immer mehr Menschen auf Intensivstationen behandelt werden. In einigen Städten gibt es kaum noch freie Intensivbetten. Mediziner schlagen Alarm.

Deutschlands Intensivmediziner und das Robert-Koch-Institut (RKI) sind alarmiert. Denn mit den steigenden Corona-Zahlen, wächst auch die Zahl der Intensivpatienten. „Die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich teilweise dramatisch zu“, so RKI-Präsident Wieler. „Wir müssen jetzt handeln und damit Menschenleben retten“. Sonst drohe eine Überlastung des Gesundheitssystems.

Divi-Intensivregister: weniger freie Intensivbetten

Mitte April sind in Deutschland rund 21.000 Intensivbetten belegt, fast 4.700 davon mit Corona-Patienten. Das zeigen die Daten des Divi-Intensivregisters. Weniger als 3.000 Intensivbetten sind noch frei. Bereits vor einigen Wochen hatte Divi-Präsident Gernot Marx mit einem rasanten Anstieg der Intensivpatienten gerechnet, da „die Welle der Intensivpatienten immer zwei bis drei Wochen der Infektionswelle nachrollt.“ Die dritte Welle hat mittlerweile auch die Krankenhäuser erreicht.

Corona-Mutation B.1.1.7 deutlich ansteckender

Das mutierte Virus sei deutlich gefährlicher und verbreite sich schneller, zeichnet auch Dr. Patrick Hünerfeld aus der SWR-Wissenschaftsredaktion ein düsteres Bild. „Da werden noch viele in die Kliniken kommen.“ Für seinen Dokumentarfilm Betrifft: Das Intensiv-Team – Jedes Leben zählt dreht er seit Beginn der Corona-Pandemie auf Intensivstationen der Uniklinik Freiburg und spricht viel mit Krankenhauspersonal. „Viele sind besorgt“, erzählt er. „Die Teams behandeln jetzt noch Patienten aus der zweiten Welle – und die Patienten der dritten Welle kommen jetzt nach und nach dazu.“

Das Intensiv-Team Corona - Kampf gegen die 3.Welle

Corona - Kampf gegen die 3.Welle  mehr...

Es sei eine logische Kette: „Menschen infizieren sich, dann kommen bei einem Teil von ihnen Symptome. Ein Teil von ihnen muss ins Krankenhaus und ein Teil von denen landet schließlich auf den Intensivstationen.“ Deshalb gebe es eine zeitliche Verzögerung zwischen der rasch ansteigenden Zahl neuer Infektionen und der rasch ansteigenden Zahl neuer Intensivpatienten. Trotzdem gilt: je mehr Infizierte, desto mehr Intensivpatienten.

7-Tage-Inzidenz steigt weiter

Sollten die Inzidenzen auf etwa 200 Corona-Infektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner steigen, sieht es laut Notfallmedizinern für die Intensivstationen nicht gut aus. In diesem Szenario könnten Anfang Mai 5.000 Covid-Patienten auf Intensivstationen liegen. Das wären laut der Nachrichtenagentur dpa fast so viele wie auf dem Höhepunkt der zweiten Welle am Jahresbeginn – das könnte viele Kliniken erneut schwer belasten. Tatsächlich steigt die 7-Tage-Inzidenz seit Wochen an, Mitte April liegt sie bei etwa 160.

Corona-Intensivbetten: von grau zu rot

Die grauen Bereiche der Grafik des Datenteams des SWR sind ein gutes Zeichen: Das Grau zeigt, wo noch mehr als 20 Prozent der Intensivbetten frei sind.

Die Grafik zeigt aber auch rote Punkte – und die sind gefährlich. Denn: Das sind Kreise, in denen weniger als fünf Prozent der Intensivbetten noch verfügbar sind.

Die Intensivbetten füllen sich mit Corona-Patienten

Die Sorgen von Intensivmedizinern werden verständlich, wenn man sich die folgende Kurve anschaut. Sie zeigt, wie häufig schwer erkrankte COVID-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden müssen (hier findet ihr alle Corona-Daten unserer Recherche-Redaktion):

Mehr jüngere Corona-Patienten auf den Intensivstationen

Wir sehen das jetzt schon auf den Intensivstationen, dass sich die Patienten dort ändern: Die werden jünger.

Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts

Virologen hatten bereits zuvor gewarnt, dass allein das Impfen der Älteren noch keine Entspannung bringe. Bereits in der ersten Welle sei nur etwa ein Viertel der Intensivpatienten über 80 Jahre alt gewesen.

Auch Dr. Patrick Hünerfeld sieht das Problem. Jüngere Patienten „liegen oft viele Wochen auf der Intensivstation bevor es besser wird – oder sie sterben – und es sterben leider viele.“ Weil die Behandlungsdauer länger ist als bei älteren Patienten, könnte schon bald ein Engpass an Intensivbetten drohen. „Die Prognosen der Epidemiologen sind düster“, so Hünerfeld. „Die dritte Welle wird größer als die zweite Welle werden.“ Experten gehen von einem Höhepunkt im Juni mit rund 100.000 Neuinfektionen am Tag aus.

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