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Ferdinand Vögele
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)
INTERVIEW
Bertram Quadt

Der Krieg in der Ukraine zeigt deutlicher denn je: Gekämpft wird heute nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch digital im Informationskrieg und mit Hackerangriffen auf kritische Infrastruktur. Doch wie gut ist Deutschland überhaupt dafür gewappnet?

Die Deutschen haben Angst vor einem russischen Cyberangriff  auf die kritische Infrastruktur im Land. Der Branchenverband Bitkom hat eine Umfrage dazu gemacht: 75% der Befragten haben die Befürchtung, dass Hacker die Strom- oder Wasserversorgung lahmlegen könnten oder die Kommunikationsnetzwerke abschalten. Und wie es aussieht, sind wir nicht ausreichend dagegen gerüstet.

Bitcom: Russisches Militär beherrscht Cyberwar-Taktiken

Für Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder ist so ein Angriff auf die wichtigen Systeme der Bundesrepublik nicht weit hergeholt, denn digitale Kriegsführung zählt inzwischen zum russischen Arsenal: die militärischen Angriffe in der Ukraine wurden durch Cyberangriffe vorbereitet, das hat es bislang so noch nie gegeben. Der IT-Branchenverband geht sogar davon aus, dass sich der Ukraine-Krieg mit zunehmender Dauer noch mehr ins Digitale verlegen könnte und dass dies dann auch unmittelbare Konsequenzen für Deutschland und dessen Wirtschaft hätte.

Für Privatpersonen heißt dies, dass Fake-News – wie beispielsweise die Geschichte über einen angeblich in Euskirchen getöteten russischstämmigen Teenanger – oder Trolle in Sozialen Medien weiter zunehmen.

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Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur: Wir sind eher schlecht gerüstet

Das andere große Angriffsziel ist die kritische Infrastruktur. Das sind beispielsweise Energie- und Wasserversorger, Verkehrssysteme, Krankenhäuser, Politik und Medien aber natürlich auch Wirtschaftsunternehmen. All dies ist digital vernetzt und damit angreifbar und vor allem verwundbar.

Denn man hat sich offenbar darüber in Deutschland bislang nicht genug Gedanken gemacht. Cybersicherheit ist hierzulande keine hoheitliche Aufgabe, sondern vor allem die Pflicht der Systembetreiber selbst – also der Krankenhäuser, Energieversorger und so weiter. Matthias Hollick leitet an der TU Darmstadt das Secure Mobile Networking Lab und erklärt, dass in den vergangen Jahren unsere Systeme sehr komplex geworden sind. „Das heißt, niemand versteht sie, sie haben riesige Angriffsflächen und sind dementsprechend nahezu unmöglich abzusichern“, so der Professor. Wenn in einem Untersystem eine Schwachstelle liegt, könne ein Angreifer rein und per Dominoeffekt womöglich das Hauptsystem lahmlegen, so Hollick.

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Es gibt wenig offizielle Regeln für Cybersicherheit in Deutschland

In Deutschland gibt es das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Und auch die Bundeswehr besitzt mit dem sogenannten CIR eine spezielle Einheiten für den Cyberkrieg. Doch hier gibt es nicht immer verbindliche Regeln. Leitlinien des BSI müssen nicht zwingend umgesetzt werden. „Ein bisschen mehr Regulierung könnte an der Stelle helfen, wenn es eine kluge Regulierung ist“, sagt Hollick.

IT-Experte fordert grundlegende Änderungen für Deutschlands Cybersicherheit

Für die Zukunft wünscht sich Hollick einen Paradigmenwechsel hin zu einer defensiven Cyber-Sicherheitsstrategie. Das würde heißen, so gut wie möglich die IT von Staat, Wirtschaft und Privatpersonen zu schützen. In den Systemen müsse außerdem ein „Notbetrieb“ vorgesehen werden, so dass diese nicht nur „im Schönwetter-Betrieb“ funktionieren, mahnt der Experte.

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