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Der Wind weht über die Ebene der Bretagne, ein letzter Blick auf meine Frau, meinen Sohn, mein Zuhause. Akim, der Sohn des Schmiedes, ist gekommen um mich abzuholen. Die Druiden haben entschieden: Krieg. Krieg in unserem Tal. Im Tal der Dana. In dem Tal, in dem unsere Vorfahren, die großen keltischen Krieger, in großen Schlachten sich dem Feind widersetzt haben. Jetzt ist die Stunde, in der es gilt, unser Land gegen eine Armee kampfeswütiger Simerirer zu verteidigen.
Wir hatten uns bei den großen Steinen versammelt, um die Götter um ihren Segen für unsere Sache anzuflehen. Gebete mit kühlem Kopf und heißem Herzen. Sie gaben uns Met zu trinken, damit wir mutig seien im Kampf, damit wir siegen, damit wir groß und stolz bleiben in der Schlacht. Für mich war es das erste Mal, daß ich in den Krieg zog, und ich hatte nur einen Gedanken dabei: mich würdig zu zeigen, ein Dana zu sein.

Nach den Gesängen und Zaubersprüchen der Druiden stürmten wir mit gezogenem Schwert gegen die Feinde. Der Kampf war furchtbar. Ich sah alles wie durch einen Nebel, und aus diesem Nebel kamen die Feinde, und sie kamen in immer größerer Zahl. Meine Freunde fielen einer nach dem anderen vor meinen Augen unter den Lanzen, Äxten und Schwertern dieser Barbaren. Und unser grünes Tal, unser Garten Eden, färbte sich rot vom Blut meiner Brüder. Ein Tag des Schmerzes, wir bewegten uns an der Finsteren Grenze zwischen dem Bösen und dem Haß. Es war eine von vornherein verlorene Schlacht, doch wir kämpften sie, wie wir sie kämpfen mußten. Aber genau das war der Stolz des ganzen Stammes, und so ging der Kampf weiter, bis die Sonne sank: mit extremer Wildheit und noch größerer, noch zäherer Verbissenheit verteidigten wir das Land unserer Väter: für sie, die dort beerdigt sind, für uns und für alle Gesetze des Stammes der Dana.

Am Ausgang des Tales hörte man ein Horn klingen, ein Häuptling der Feinde rief seine Horde zurück, nachdem er begriffen hatte, dass wir es selbst mit allen Teufeln der Hölle aufnehmen würden und dass dieser Boden dem Stamm der Dana gehörte. Die Krieger brachen auf. Und als ich um mich sah, war ich der einzige, der noch stand. Und ich begriff nicht: Warum? Warum all dieser Hass, dieses Blut? Meine Hände wurden schwach, ich ließ die Waffen fallen und weinte.

Ich weiß bis heute nicht, warum die Götter mir diesen schwarzen Tag unserer Geschichte nicht ersparten. Der Wind weht immer noch über die Bretagne, ich bin wieder zurück bei meiner Frau, meinem Sohn und meinem Besitz. Mit eigenen Händen habe ich alles wieder aufgebaut, und so bin ich dahingekommen, wo ich heute stehe. Ich bin der König der Dana.

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