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Zwei junge Ermittlerinnen finden sich in einem Fall wieder, in dem es um Lebensglück und Philosophie geht. Ob das so einem Krimi zu absoluter Spannung verhilft, weiß SWR3-Tatort-Checker Stefan Scheurer.

Es ist mal wieder Nacht im Tatort, wie so oft. Am Hafen in Bremen stirbt ein Mann. Neben ihm steht ein Koffer voller Geld. Für die beiden jungen, coolen Kommissarinnen Liv Moormann und Linda Selb – und für uns Zuschauer – beginnt ein beschwerlicher Polizeialltag, denn wie immer hat niemand was gesehen, auch auf dem Containerschiff gegenüber nicht. Es werde hier einfach zu viel gesoffen, ist die Ausrede, die zieht. Müssen wir Zuschauer uns gleich mal merken, falls wir die Polizei loswerden wollen, im „Tatort Bremen hat’s ja funktioniert.

Auf der Suche nach dem Aufmupf

Schnell sind Hauptverdächtige gefunden: Zwei Mädchen als lesbisches Pärchen, das die Welt retten will. Sie verteilen Lebensmittel aus dem Mülleimer an Bedürftige und sind auf der Suche nach sich selbst, nach Identität, Geborgenheit, Aufmüpfigkeit und dem Loslassen vom Elternhaus. Klar, in so viel frische Lebensfreude und ausufernden Idealismus muss man sich eigentlich verlieben, wenn hier nicht immer alles so verworren wäre. 

Tatort-Kritik „Und immer gewinnt die Nacht“ (Foto: ard-foto s2-intern/extern, Radio Bremen / MIchael Ihle / Christoph Holsten)
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Tatort-Kritik „Und immer gewinnt die Nacht“ ard-foto s2-intern/extern Radio Bremen / MIchael Ihle / Christoph Holsten Bild in Detailansicht öffnen

In diesem Tatort bleibt lange Zeit undurchsichtig, wohin sich die 90 Minuten entwickeln. Diverse parallele Handlungen machen es uns nicht so leicht, den Faden nicht zu verlieren. Die Sehnsucht nach Emotionalität ist zwar präsent und groß, aber das alleine macht ja keine gute Geschichte aus. Überflüssig viele Figuren und ihre Vergangenheit werden eingeführt, und es ist auch nach dem Ende nicht ganz klar, warum eigentlich – oder ob’s das wirklich gebraucht hat, um das Drehbuch zu veredeln. 

„Jeder der das verneint, ist nicht ehrlich“

Zwischendurch ist einfach etwas zu viel abschreckende, teils unverständlich hochintellektuelle Philosophie unterwegs: „Ich habe nie von einem Verbrechen gehört, das ich nicht selbst hätte begehen können. Jeder der das für sich verneint ist nicht ehrlich oder kennt sich zu wenig. Den Schmerz, die Verzweiflung, die Wut und all das Gepredigte von der Krone der Schöpfung.” Das ist nett, aber einfach too much. So spricht nun wirklich keiner mit der Kollegin, egal für wie geil er oder sie sich hält.

Der Krimi selbst ist unauffällig, tut nicht weh, ist kein Aufreger, ist kein Straßenfeger. Er hat leider kaum etwas Überraschendes oder wirklich Überragendes, mal von der sehr guten schauspielerischen Leistung aller abgesehen, immerhin das macht nicht jeder Krimi so gut vor. 

Am Ende bleibt ein ganz normaler Tatort-Durchschnitt, also etwas abgehoben in den Dialogen, sozialkritisch, nicht schlecht, nicht wirklich witzig – aber der langatmige Stil ist einfach in der heutigen Fernsehzeit nicht konkurrenzfähig, denn im Netz wartet und sabbert das Streaming zur selben Zeit, oft nicht besser, aber für viele Zuschauer am Sonntagabend eher catchy. Und das muss zur Abwertung der Bewertung führen, leider. Und ja, andere Tatorte machen das besser.

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